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Donnerstag, 28. Oktober 2004 
SendezeitSenderSparteTitelBeschreibung
2040-2220
(VPS: 20:45)
ArteScience fiction »Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben«
Satire, GB 1964
Tip»W√§hrend des Kalten Krieges l√∂st der geistesgest√∂rte US-General Jack D. Ripper den Atomschlag gegen Russland aus. Der amerikanische Pr√§sident Muffley reagiert v√∂llig hilflos und versucht verzweifelt, die Katastrophe in letzter Minute aufzuhalten und die Sowjets zu warnen. Die haben jedoch eine Maschinerie installiert, die einen automatischen Gegenschlag ausf√ľhrt. Derweil tr√§umt der obskure Wissenschaftler Dr. Seltsam von der Erschaffung einer Herrenrasse, die den Atomschlag als einzige √ľberleben soll. ARTE strahlt diesen Spielfilm innerhalb des ARTE-Sonderprogramms "Amerika vor der Wahl" aus.

Im Jahr 1963, auf dem H√∂hepunkt des Kalten Krieges, befiehlt der paranoide Brigadegeneral Jack D. Ripper seinem Fluggeschwader den Angriff auf die Sowjetunion. Damit der Befehl nicht widerrufen werden kann, l√§sst er seinen St√ľtzpunkt abriegeln und die Bomberpiloten auf eine codierte Kommunikationsfrequenz wechseln. Im Pentagon diskutiert ein Krisenstab die Konsequenzen dieses nuklearen Ernstfalles. F√ľr General "Buck" Turgidson steht fest, dass die Piloten ohnehin nicht mehr rechtzeitig aufgehalten werden k√∂nnen, so k√∂nne man gleich das gesamte amerikanische Atomwaffenarsenal hinterherschicken, um mit den "Russen ein f√ľr alle Mal Schluss zu machen". US-Pr√§sident Merkin Muffley zieht es allerdings vor, mit dem russischen Botschafter Alexi de Sadesky zu verhandeln. W√§hrend sie gemeinsam versuchen, den Generalsekret√§r der KPdSU ans Telefon zu bekommen, bereitet man sich in den Cockpits der B-52-Bomber mit texanischem Patriotismus auf den Abwurf der Nuklearwaffen vor. Als man endlich den angetrunkenen Sowjet-Premier ans Telefon bekommt, erkl√§rt dieser, dass kurz zuvor eine Weltvernichtungsmaschine installiert worden sei, die auf einen nuklearen Angriff mit einem automatischen Gegenschlag reagiert. Als der abgeriegelte St√ľtzpunkt von Infanterietruppen gest√ľrmt werden kann, hat sich General Ripper erschossen. Zuvor jedoch hat er Captain Mandrake einen verschl√ľsselten Hinweis gegeben, wie der R√ľckholcode der Flugzeuge lauten k√∂nnte. Allerdings fehlt das Kleingeld f√ľr einen Anruf und so erreicht die Nachricht das Pentagon zu sp√§t. Inzwischen ist eine der B-52 von einer Rakete der russischen Luftabwehr getroffen worden und hat dabei ihre Kommunikationseinheit eingeb√ľ√üt. Ihr Pilot, Major T.J. "King" Kong, √∂ffnet per Hand den defekten Bombenschacht seiner Maschine und reitet auf einer Atombombe seinem sibirischen Ziel entgegen. W√§hrend der automatisierte nukleare Gegenschlag anrollt, erscheint der gel√§hmte deutsche Wissenschaftler Dr. Seltsam im Pentagon und unterbreitet den Politikern und Milit√§rs seine √úberlegungen f√ľr das √úberleben einer handverlesenen Schar von Herrenmenschen. Nur mit M√ľhe kann er dabei den Hitlergru√ü unterdr√ľcken. Zu den Kl√§ngen eines trostspendenden Schlagers blitzt unterdessen drau√üen ein Atompilz nach dem anderen auf.

Politische Satiren sind in der Regel genauso kurzlebig wie die Politik, die sie persiflieren. Doch Stanley Kurbricks vor 40 Jahren entstandenes Meisterwerk wirkt mit seiner galligen Komik noch heute erschreckend zeitgem√§√ü. Und das, obwohl der Kalte Krieg und mit ihm die Doktrin der nuklearen Abschreckung auch schon seit einem guten Jahrzehnt Geschichte sind. Die zeitlose Intelligenz des Filmes erkl√§rt sich daraus, dass er sich nicht als Satire auf eine bestimmte Politik beschr√§nkt, sondern vielmehr die Logik und die Archetypen zum Ziel seines bei√üenden Spotts macht, die Grundlagen fast aller Politik sind. Wer wollte, konnte hinter jeder Figur des Filmes ein reales Vorbild in der amerikanischen Politik der 50er und 60er Jahre sehen. So wurde zum Beispiel die Figur des Dr. Seltsam oft mit den einflussreichen deutschen Wissenschaftlern Wernher von Braun und Herman Kahn in Verbindung gebracht. Was die Figuren des Films jedoch zeitlos macht, ist die Sch√§rfe, mit der sie einen gewissen Typus verk√∂rpern. Gnadenlos macht sich der Film √ľber den M√§nnlichkeitswahn der Milit√§rs lustig, √ľber die ausgesuchte diplomatische H√∂flichkeit der Politiker im Angesicht der totalen Vernichtung und √ľber den Wahn der Wissenschaft, alles unter Kontrolle haben zu m√ľssen.

Das Drehbuch verfasste Stanley Kubrick gemeinsam mit dem ausgewiesenen Satiriker Terry Southern und einem ehemaligen Offizier der Royal Air Force, Peter George. So grotesk √ľberzeichnet und absurd einzelne Details des Filmes sind, so pr√§zise und realistisch ist zugleich die Beschreibung der milit√§rischen Eskalationslogik. Der gesamte Film ist eine treffsichere Fiktion. So auch der ber√ľhmte, von Ken Adam gestaltete "war room" des Pentagons, der so glaubhaft wirkte, dass sp√§ter viele Besucher des amerikanischen Verteidigungsministeriums in eben diesen, in Wirklichkeit nicht existenten, Raum gef√ľhrt werden wollten.

Das "Lexikon des Internationalen Films" schreibt: "Kubricks böse Atomkriegs-Satire zeigt die militärischen und politischen Umtriebe konsequent als Pandämonium des Irrsinns. Die groteske Stilisierung der Figuren und Schauplätze entlarvt das 'Gleichgewicht des Schreckens' als labiles Konstrukt, das jederzeit durch banale Zufälle und menschliche Schwächen zum Albtraum werden kann. Einer der radikalsten, bittersten und treffsichersten Filme zum Thema."

"Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben", dessen Kinostart seinerzeit wegen des Mordes an John F. Kennedy von 1963 auf 1964 verschoben wurde, l√§uft auf ARTE im Rahmen eines Themenschwerpunktes zur amerikanischen Pr√§sidentenwahl. Das ARTE-Sonderprogramm "Amerika vor der Wahl" umfasst insgesamt sechs Themenabende, vier Dokumentationen, eine Doku-Soap und drei Spielfilme. Eine Sondersendung der Themenabendredaktion und eine Sondersendung von "ARTE Reportage" erstatten √ľber die Ergebnisse der Pr√§sidentschaftswahlen Bericht. Die einzelnen Sendetermine des ARTE-Programmschwerpunkts erfahren Sie auf unserem Online-Pressedienst ARTE-Pro (http://www.artepro.com/).« http://maqi.de/tv?id=2385 http://maqi.de/tv?id=2385&sparte=sf
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Redaktion: Achim Stößer [as].

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